Ausstellung: 100 Jahre Rathaus

100 Jahre altes Rathaus

(2010)
kuratiert von Dr. Christine Schönebeck

Diese Ausstellung widmet sich den letzten hundert Jahren Gladbecker Geschichte, gebündelt an einem konkreten Erlebnis- und Ereignisort: dem Rathaus.

Die Entwürfe für den Bau selbst entstanden im Jahr 1906 im Rahmen eines Architektenwettbewerbs, den die Gemeindevertretung Gladbeck ausgeschrieben hat. Ihn gewann der Architekt Otto Müller-Jena mit Büro in Köln. Nach seinen Plänen war bereits das Rathaus der Stadt Recklinghausen gebaut worden. Der Entwurf für Gladbeck beinhaltete auch die Planung eines Erweiterungsbaus. Dieser wurde tatsächlich 1923 umgesetzt.
Das Rathaus wurde Bühne für politisches Geschehen, gesellschaftliche Entwicklungen und bürgerlichen Protest, es bot Raum für die zeremonielle Selbstdarstellung der Kommune und war Arbeitsort.

Das Rathaus war auch symbolischer Ort. Wo sonst, wenn nicht auf dem Turm des Gladbecker Rathauses, hat die Rote-Ruhr-Armee ihre rote Flagge gehisst. Auch die sternförmigen Aufmärsche zum Ersten Mai und die Märsche bei den Generalstreiks der Bergleute am Ende des Ersten Weltkriegs bewegten sich auf das Rathaus zu.

Das Rathaus war politisches Zentrum. Die Sitzungssäle erzählen von der großen Geschichte, von Diktatur und Demokratie, vom preußischen Wahlrecht und vom Frauenwahlrecht und von der Gladbecker Lokalpolitik, die hier gemacht wird.

„Aufs Rathaus müssen“ bedeutet nicht immer Gutes. Polizeibehörden und Ausländerbehörden hatten hier ihren Sitz. Lebensmittelkarten wurden im Ersten Weltkrieg im Rathaus ausgegeben, lange Menschenschlangen sind fotografiert worden. Französische Ämter nahmen zur Zeit der Ruhrbesetzung ihre Arbeit im Gladbecker Rathaus auf. In der Zeit des Nationalsozialismus hat sich die NSDAP einquartiert. Nur wenig Bildmaterial ist erhalten geblieben.

Die Geschichte einer Stadt, spannend fokussiert am Ort ihrer Selbstrepräsentation.

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